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École de Légèreté oder Warum Leichtigkeit eigentlich manchmal so schwer ist?

„Légèreté“… hmmm… das sind doch die, mit den hohen Händen und den durchgedrückten Pferderücken?! Das sind leider nur einige Eindrücke, die viele Reiter über die „École de Légèreté“ haben.

“Das Pferd schuldet uns nichts. Wir sind es, die uns dem Pferd verständlich machen müssen.” Philippe Karl

Was ist eigentlich diese „École de Légèreté“?

Nur eine kurze Hintergrundinfo: Die École de Légèreté, die sogenannte Schule der Leichtigkeit, wurde von Philippe Karl, einem französischen Reitmeister und ehemaligen Ecuyer des Cadre Noir (die Cadre Noir ist das Pendant zur Wiener Hofreitschule in Frankreich) 2004 gegründet. Im Mittelpunkt steht die absolute Achtung und der Respekt vor dem Pferd sowie eine vertrauensvolle Kommunikation zwischen Pferd und Reiter. Seine Lehre basiert auf den großen alten Reitmeistern wie La Guériniere, Baucher, Oliveira und viele mehr und kombiniert dieses Wissen mit Anatomie, Physiologie, Psychologie, Bewegungs- und Gleichgewichtslehre und Verhaltenskunde des Pferdes. Die École de Légèreté eröffnet jedem motivierten Reiter, Pferden jeder Rasse und Disziplin – auch dem ganz normalen Freizeitpferd – einen pferdegerechten Weg zur höheren Reitkunst.

„Ziel der Schule der Légèreté ist ein vielseitig ausgebildetes Pferd, das jederzeit leicht an den Hilfen des Reiters steht.“ Philippe Karl

So weit, so gut denken jetzt die meisten. Und wo ist jetzt der große Unterschied und was soll das jetzt mit den hohen Händen?

Mein Weg zur Légèreté war auf jeden Fall kein “leichter”

Ich bin Wiedereinsteigerin und nachdem ich meine 4-jährige Trakehnerstute Lotti mit Herzchenaugen gekauft hatte, musste ein Stall in der Nähe her. Eine Freundin von mir hatte ihr Pferd in einem großen Stall stehen und organisierte mir netterweise eine Box und stellte mich ihrer Reitlehrerin vor. Als Lotti endlich eingezogen war, wollte ich natürlich hochmotiviert schnellstmöglich mit dem Unterricht beginnen. Man muss hier vorausschicken, dass ich Anfang der 90er mit dem Reiten aufgehört hatte und damals gab es nur eine Reitweise: Rauf aufs Pferd, Hacken zu, Kreuz ran und Hand stehenlassen. Das hat mich zumindest bis zum Bronzenen Reitabzeichen gebracht. Jodeldiplom bestanden! 😉 Als ich nun mit Lotti loslegen wollte, war nichts mit aufsteigen, sondern es ging es erst Mal vom Boden aus los. Abkauübungen… hmmm… ok… wenn sie meint… Als ich dann endlich mal aufsitzen durfte, war ich total verwirrt. Ich habe überhaupt gar nicht verstanden, was meine Reitlehrerin von mir wollte und was der Sinn und Zweck des Ganzen war.

Und ich wollte doch nur irgendwie toll Dressur reiten

Nach einer dieser verwirrenden und frustrierenden Stunden, die mich gedanklich schon dazu brachten mir eine neue Reitlehrerin zu suchen, sprach mich eine andere Reitschülerin an, wie toll es wäre, dass noch jemand nach Philippe Karl reiten würde. Ich hatte keine Ahnung wovon sie sprach und fing erstmal an zu googlen. Was da alles, neben den unglaublich interessanten Infos zu Philippe Karl, aufpoppte war gruselig:
Rollkur, Schlaufzügel, gequälte Pferdegesichter, blutende Mäuler etc..

Ihr mögt Euch fragen, ob ich die letzten Jahre in einer Höhle verbracht habe, aber ich habe mich wirklich fast 20 Jahre lang nicht mit Pferden und Reiten beschäftigt. Ich wurde auf jeden Fall neugierig und habe meine Reitlehrerin zu einem Gespräch über diese Alternative namens Légèreté gebeten. Dieses Gespräch war mehr als aufschlussreich und ich wusste: Ich will es auch besser machen! Von da an machte alles viel mehr Sinn, Freude und Spaß! Ich fing an, mich mit der Biomechanik und der Psyche der Pferde und der Logik von Reiterhilfen zu beschäftigen und damit begann eine spannende Reise. Und ich bin noch ganz am Anfang! Ich habe einige Kurse von Bea Borelle – der Frau von Philippe Karl und lizensierte Ausbilderin der Schule der Légèreté – besucht und bin auch selber bei einem mitgeritten. Ein großes Highlight ist es immer, den Meister Philippe Karl reiten zu sehen, besonders mit seinem Hannoveraner High Noon!

Es gibt natürlich auch, wie bei jeder anderen Reitweise den einen oder anderen Kritikpunkt. Ich finde es grundsätzlich immer wichtig über den Tellerrand hinauszuschauen und für sich und sein Pferd zu entscheiden, welcher Weg oder Baustein der richtige ist. Am Ende wollen wir doch alle nur glückliche, gesunde und ausdrucksstarke Pferde haben.

Ach ja… und die Hohe Hand?

Zunächst einmal verstärkt eine hohe Hand den Druck auf die Maulwinkel und nicht auf die Zunge des Pferdes und regt damit zum Abkauen an. Weiterhin kann sie das Pferd in der Vorhand und im Widerrist so anheben, dass eine Bergauf-Tendenz entsteht. Ein vorderhandlastiges Pferd kann dementsprechend korrigiert werden. Genauso, wie auf diesem Wege die Selbsthaltung verbessert werden kann. Allerdings ist diese Zügelführung auch mit Nachteilen verbunden, denn sie kann – dauerhaft eingesetzt – schnell zu Verspannungen führen. Dann kann sich als Folge ein weggedrückter Rücken zeigen. Deshalb ist wichtig und auch nicht im Sinne der Légèreté die Hände dauerhaft hoch zu tragen, im Idealfall sinkt die Hand sofort nach erwünschter Reaktion des Pferdes.

Und was ist sonst anders? Hand ohne Bein / Bein ohne Hand

Ich mag folgendes Zitat von Herrn Karl: “Wenn ich jemanden mit einem Tritt in den Hintern aus dem Haus befördern will, dann muss ich vorher die Tür aufmachen!” Also, wenn du möchtest, dass dein Pferd vorwärts geht und du es aktiv treibst, darfst du es vorne nicht blockieren oder festhalten! Logisch, oder?

Eure Christina von den Haftpflicht Helden

PS: Meine persönliche Buchempfehlung: Philippe Karl „Irrwege der modernen Dressur“

PPS: Schaut doch auch in meine anderen Kolumnen, zum Beispiel die übers angrasen 🙂

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